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Wirtschaft

20.04.2017 - Artikel

Stand: März 2018

Wirtschaft

Afghanistan zählt zu den ärmsten Länder der Welt und belegt im 'Human Development Index' (HDI, Stand 11/2016) den 169. Platz unter 187 Staaten. Die wirtschaftliche Entwicklung Afghanistans wird maßgeblich durch Zuflüsse aus der internationalen Gebergemeinschaft stimuliert. Den größten Anteil am BIP (2016: 19,46 Mrd. USD, lt. Weltbank) hat der Dienstleistungssektor mit 55%, gefolgt von der Landwirtschaft mit 22,6%. Industrieproduktion ist kaum vorhanden. Afghanistan ist in hohem Maße von Importen abhängig,  afghanische Produkte sind bisher auf internationalen sowie regionalen Märkten wenig wettbewerbsfähig.
Die Arbeitslosigkeit ist laut afghanischem Arbeitsministerium mit 1,9 Mio. Arbeitslosen im Land stagnierend hoch. Für die jährlich rund 400.000 neu auf den Arbeitsmarkt drängenden jungen Menschen gibt es nicht genügend Plätze. Zur Belebung des Arbeitsmarktes plant die afghanische Regierung Investitionen in Infrastruktur, Landwirtschaft und regionale Konnektivität. Das Arbeitsministerium sieht die Ausweitung von Praktikanten- und Berufsbildungsprogrammen vor, um Absolventen den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern.
Die Regierung hat die landwirtschaftliche Entwicklung zur Priorität erhoben. Dadurch sollen auch gering qualifizierte Afghaninnen und Afghanen bessere Chancen auf einen Arbeitsplatz bekommen. Insbesondere sollen die landwirtschaftlichen Erzeugnisse Afghanistans wieder eine stärkere Rolle auf den Weltmärkten spielen. Gerade im ländlichen Raum bleiben die Herausforderungen für eine selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung mangels ausreichender Infrastruktur  und Erwerbsmöglichkeiten außerhalb der Landwirtschaft sowie aufgrund des geringen Bildungsgrads der Bevölkerung (Analphabetenquote auf dem Land von rund 90%) aber groß. 
Große wirtschaftliche Erwartungen werden an die zunehmende Erschließung der afghanischen Rohstoffressourcen geknüpft. In Afghanistan lagern die weltweit größten Kupfervorkommen sowie Erdöl, Erdgas, Kohle, Lithium, Gold, Edelsteine und Seltene Erden. Mit dem 2014 verabschiedeten Rohstoffgesetz wurden die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen für privatwirtschaftliche Investitionen in diesem Bereich verbessert. Entscheidend für Wachstum, Arbeitsplätze und Einnahmen aus dem Rohstoffabbau ist die Umsetzung des Gesetzes. Darüber hinaus müssen Mechanismen zum Einnahmenmanagement etabliert werden. Der Abbau der Rohstoffe erfordert umfassende und langfristige Investitionen in die Exploration und Infrastruktur. Afghanistan bleibt weiterhin der weltweit größte Produzent für Opium, Heroin und Cannabis. Trotz einer breit angelegten Strategie verhindern die angespannte Sicherheitslage in den Hauptanbaugebieten im Süden des Landes sowie die weit verbreitete Korruption eine effiziente Bekämpfung des Drogenanbaus. Die hohen Gewinnmargen erschweren zudem die Einführung von alternativen landwirtschaftlichen Produkten.

Öffentliche Finanzen

Die Sicherstellung der Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen bleibt eine Herausforderung.  Der Haushaltsentwurf der afghanischen Regierung für das Jahr 2018 beläuft sich auf 5,1 Mrd. USD. 46% des Gesamthaushalts werden aus nationalem Einkommen finanziert (2017: 38%); 54% durch externe Gebergelder. 

Umwelt

Afghanistan ist mit erheblichen Umweltproblemen konfrontiert: Neben der rapide ansteigenden Luft- und Wasserverschmutzung in den Städten – insbesondere in Kabul – nehmen in vielen Landesteilen Entwaldung, Bodendegradation und die Überbeanspruchung der Wasserressourcen besorgniserregende Dimensionen an.
Der Baumbestand Afghanistans hat insbesondere unter dem Raubbau in den Kriegsjahren stark gelitten; die Wiederbelebung der Bewässerungslandwirtschaft in Kombination mit den regelmäßig wiederkehrenden Dürrejahren wirken sich ungünstig auf die Wasserressourcen aus. Das erwartete Abschmelzen der Gletscher des zentralen Hochlands durch den Klimawandel wird das Wasserressourcenmanagement Afghanistans vor zusätzliche Herausforderungen stellen.  
2007 wurden ein nationales Umweltgesetz sowie entsprechende Umsetzungsverordnungen verabschiedet, weitere Umweltschutz-Gesetzesvorhaben sind in Vorbereitung. Die nationale Umweltschutzbehörde Afghanistans (National Environment Protection Agency, NEPA) ist dafür verantwortlich, den entsprechenden rechtlichen Vorgaben auch in der Praxis Geltung zu verschaffen. Die afghanische Regierung  legte mit dem ersten Fünfjahresplan für den Energiesektor im Jahr 2016 die Grundlage für eine  Energie wende für das Land ein. Langfristig soll die Eigenproduktion von Strom auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Afghanistan ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Schwerpunkte sind: Energie, Trinkwasserversorgung, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Grundbildung sowie die Förderung der Rechtsstaatlichkeit und der Menschenrechte.
Nähere Informationen hierzu beim BMZ:

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